WEIL WASSER UNSER LEBEN IST, SIND WIR DA UM ES SAUBER ZU HALTEN

VERBANDSCHRONIK

Bis in die 70-er Jahre verfügten nur die größeren Gemeinden über eigene Kanalnetze, die vorwiegend im Mischsystem betrieben wurden. Die Abwasserreinigung beschränkte sich auf wenige gemeindeeigene mechanische Kläranlagen. Überwiegend wurden mechanische Hauskläranlagen (Faulanlagen) bzw. Sickeranlagen betrieben. Das wachsende Umdenken zu einem gehobenen Umweltbewusstsein sowie die zunehmende Rücksichtnahme auf den Gewässerschutz führte Anfang der 70-er Jahre im ganzen Land Salzburg zur Gründung von Reinhalteverbänden. Die geforderte weitergehende Reinigung von Abwässern zwang vermehrt zum Einsatz von biologischen Kläranlagen. Diese Anlagen verlangten jedoch einen wesentlich höheren Aufwand an Errichtungs-, Betriebs- und Wartungskosten. Aus diesen zwingenden wirtschaftlichen Gründen wurden die Gemeinden zur Installierung von Abwasserverbänden mit zentralen biologischen Kläranlagen durch die Landesregierung angehalten.

Zur Jahreswende 1974/75 wurde seitens der Salzburger Landesregierung den Gemeinden im Salzach-Pongau vorgeschlagen, sich zu einem Abwasserverband zusammen zu schließen. Nach vorliegenden Variantenstudien und Wirtschaftlichkeitsberechnungen konnte bereits Anfang 1975 eine Variante bevorzugt werden. Für den Salzach-Pongau sollte eine zentrale biologische Kläranlage in Pfarrwerfen, im Bereich der Kreuzbergmaut errichtet werden, an welche die Gemeinden Bischofshofen, Schwarzach, St. Johann und St. Veit angeschlossen werden. Die Entsorgung der Gemeinden Pfarrwerfen und Werfenweng sollte über eine Pumpendruckleitung zur zentralen Kläranlage erfolgen.

Ein späterer Anschluss der Gemeinde Goldegg wurde bereits eingeplant. Nach dem diese Variante konkrete Formen angenommen hatte, wurden in den betroffenen Gemeinden erste Grundsatzbeschlüsse zur Schaffung eines Abwasserverbandes gefasst.

Die Gründungsversammlung des Reinhalteverbandes Salzach-Pongau erfolgte am 10. Dezember 1975 im Gemeindeamt Bischofshofen durch die Marktgemeinde Bischofshofen, die Marktgemeinde Schwarzach/Pg., die Marktgemeinde St. Johann/Pg. und die Marktgemeinde St. Veit/Pg. Die Satzungen des Reinhalteverbandes wurden mit Bescheid des Landeshauptmannes von Salzburg vom 12.07.1976, ZI.: 1.01-14.381/2-1976 wasserrechtlich genehmigt. In der Folge wurde ein „Sanierungsplan“ erarbeitet, der die wesentlichen Schwerpunkte, die Reihenfolge und Art sowie den Zeitplan für die notwendigen Maßnahmen zur Reinhaltung der Gewässer im Verbandsgebiet beinhaltet.

Mit Beschluss der Mitgliederversammlung vom 28. September 1976 wurden die Gemeinden Pfarrwerfen und Werfenweng in den Reinhalteverband aufgenommen. In der Mitgliederversammlung vom 8. Jänner 1987 wurde die Aufnahme der Gemeinde Goldegg in den Verband beschlossen. Die Marktgemeinde Wagrain wurde mit Beschluss der Mitgliederversammlung vom 6. September 2000 Mitglied beim Reinhalteverband. Als jüngstes Mitglied wurde die Gemeinde Kleinarl mit Beschluss der Mitgliederversammlung vom 23. Oktober 2012 in den Verband aufgenommen.

Die ersten Bautätigkeiten begannen 1979 mit der Errichtung der biologischen Kläranlage 1. Ausbaustufe, welche für 30.000 EW (Einwohnerwerte) ausgelegt wurde. Gleichzeitig wurde mit dem Bau der Verbandskanalisation begonnen. In den folgenden ca. 10 Jahren wurden die Verbandssammler 1 bis 11 hergestellt. Bedingt durch die Errichtung der Kraftwerkskette „Mittlere Salzach“ wurden in Abstimmung mit den Kraftwerksbauten zahlreiche Bauabschnitte koordiniert. Einzelne Sammler wurden daher früher als ursprünglich geplant errichtet. Der dadurch sehr früh erreichte hohe Anschlussgrad führte schon 1986 zu einer überhöhten Belastung der Kläranlage. Eine Erweiterung der Kläranlage war daher dringend geboten. Nach Abschluss der Planung erfolgte 1990 in Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie eine Novellierung des Wasserrechtsgesetzes, sodass einige Vorschreibungen noch knapp vor Baubeginn berücksichtigt werden mussten. Die 2. Ausbaustufe der Kläranlage auf 75.000 EW wurde 1990 begonnen und 1993 fertig gestellt. Errichtet wurde eine zweistufige vollbiologische Anlage mit Schlammfaulung.

Im Zuge des Kraftwerksbaues Kreuzbergmaut wurde aus Gründen des Gewässerschutzes die Errichtung des Regenüberlaufbeckens Bischofshofen mit einem Nutzvolumen von 850 m2 notwendig. Teile von verschiedenen Verbandssammlern mussten neu trassiert werden. Durch die Linienverbesserung der „ÖBB-Tauernachse“ wurde eine teilweise Umlegung der Pumpendruckleitung Pfarrwerfen nötig. Mit der Errichtung des Verbandssammlers 8.15 in den Ortsteil Pöham der Gemeinden Bischofshofen und Pfarrwerfen konnte auch für dieses Gebiet eine gesetzeskonforme Abwasserentsorgung erreicht werden. Weiters wurde der Verbandssammler 6 bis zur Kläranlage Goldegg-Weng verlängert. Weitere Verbandssammler waren zu diesem Zeitpunkt nicht vorgesehen, da der Aufschließungsgrad im Verbandsgebiet bereits 96% betrug.
Die durch Bescheid vorgeschriebene Umsetzung der Wasserrechtsgesetznovelle 1990 zur Nährstoffentfernung (Ammonium und Phosphat) erforderte bereits im Jahr 1998 Überlegungen zu einer Anpassung der Kläranlage nach „Stand der Technik“. Gleichzeitig erhöhte sich durch den raschen Ausbau der Ortskanalisationen die Auslastung der Kläranlage. Aus wirtschaftlichen Überlegungen entschloss sich in der Vorplanungsphase die Marktgemeinde Wagrain dem Reinhalteverband beizutreten und die gemeindeeigene Kläranlage aufzulassen. Nach intensiven Studien wurde Ende 2003 mit dem Ausbau und der Anpassung der Kläranlage an den „Stand der Technik“ – 3. Ausbaustufe begonnen. Verfahrenstechnisch wurde eine vollbiologische einstufige Belebungsanlage mit Vorklärung errichtet.

Zeitgleich wurde von der Marktgemeinde Wagrain mit der Errichtung des Ausleitungskanals Wagrain und dem Umbau der ehemaligen Kläranlage Wagrain – Rückhaltebecken mit vorgeschalteter Rechenanlage – begonnen. Bereits im Herbst 2003 wurden die Abwässer aus der Marktgemeinde Wagrain in die Kläranlage des Reinhalteverbandes eingeleitet. Nach wasserrechtlicher Überprüfung wurde der Ausleitungskanal Wagrain und der Strang 3 der Ortskanalisation St. Johann/Pg. (Verbindungskanal zum Verbandssammler 2) als Verbandssammler 12 vom Reinhalteverband in den „Status Verbandssammler“ übernommen.
Die Fertigstellung des Kläranlagenausbaues erfolgte Anfang 2007 mit einer Ausbaugröße von 125.000 EW.

Die Abwässer aus der Gemeinde Kleinarl werden seit Frühjahr 2013 in die Kläranlage eingeleitet.

Die gemeindeeigene Kläranlage Goldegg-Weng wurde 2015 aufgelassen. Die Entwässerung des Ortsteiles Goldegg-Weng erfolgt seit November 2015 mittels Anschluss an den Verbandssammler 6.

ZUKUNFTSAUSSICHTEN

Die abgeschlossenen Bauvorhaben im Bereich Kläranlage und Kanalisation geben dem Reinhalteverband ein starkes Fundament für die Zukunft.

Der Konsens der Kläranlage ist bis 30.11.2027 befristet. Zumindest solange sollten nach der derzeitigen Gesetzeslage keine größeren Bautätigkeiten erforderlich werden.
Das Hauptaugenmerk ist daher in Zukunft auf die Erhaltung und Wartung der bestehenden Anlagen zu richten, damit die bisherigen Investitionen im Sinne des Umwelt- und Gewässerschutzes bestens und nachhaltig genützt werden können. Durch ständige Kontrollen und Wartungen aller Anlagenteile sollen Schäden schon so rechtzeitig erkannt werden, damit anstehende Sanierungskosten möglichst gering gehalten werden können. Im Kläranlagenbetrieb ergeben sich durch die ständige Kontrolltätigkeit zahlreiche Möglichkeiten, die Betriebsweisen zu optimieren, dadurch wirtschaftliche Einsparungen zu erzielen und die Betriebskosten für die Mitgliedsgemeinden und Einwohner zu minimieren.